Zeichnung Banquet Maçonnique 1865 Bègue-Clavel

Geschichte

Eine lange freimaurerische Tradition

Die Geschichte der Freimaurerei in Marburg reicht bis ins Jahr 1743 zurück. Damals wurde die Loge „Zu den drey Löwen“ gegründet, eine der ältesten Freimaurerlogen Deutschlands. 1772 nahm sie den Namen „Zum gekrönten Löwen“ an. Nach dem Verbot der Freimaurerei in Hessen-Kassel im Jahr 1793 kam das freimaurerische Leben in Marburg zunächst zum Erliegen. Unter der Herrschaft Jérôme Bonapartes entstand ab 1810 mit der Loge „Marc Aurel zum flammenden Stern“ ein Neuanfang. Doch auch diese Phase war nicht von Dauer: 1824 wurde die Freimaurerei erneut verboten.

Erst nach mehr als vier Jahrzehnten konnte sich die freimaurerische Arbeit in Marburg wieder etablieren. Ab 1867 trafen sich Brüder zunächst in einem freimaurerischen Zirkel, bevor die Loge „Marc Aurel zum flammenden Stern“ 1871 offiziell wiedereingesetzt wurde. In den folgenden Jahrzehnten wechselte sie mehrfach ihr Logenhaus und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des Marburger gesellschaftlichen Lebens. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete diese Entwicklung. Die Freimaurerei wurde unterdrückt und 1935 endgültig verboten. Die Loge löste sich infolgedessen auf, das Logenhaus wurde beschlagnahmt und das historische Archiv ging verloren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es einige Jahrzehnte, bis sich wieder eine dauerhafte Logenarbeit in Marburg entwickelte. 1962 entstand die Loge „Jacob de Molay zum flammenden Stern“, bevor ab 1983 erneut ein freimaurerischer Zirkel den Grundstein für eine reguläre Loge legte. Am 1. Mai 1988 wurde schließlich die Loge „Zu den drey Löwen“ neu gegründet und knüpfte damit bewusst an den Namen der ersten Marburger Loge von 1743 an. Seit 1993 arbeitet sie als selbstständige Johannisloge und führt die mehr als 280-jährige freimaurerische Tradition in Marburg bis heute fort.